kurze Selbstdarstellung 2011

Eigentlich sollte ja davon ausgegangen werden können, dass Sexismus nach allen Bemühungen endlich mal vom Tisch wäre. Aber nein, auch nach 3 Wellen des Feminismus ist Sexismus noch immer ein Thema und gesellschaftliche Realität. Es ist nach wie vor so, dass gesellschaftliche Strukturen “männlich” dominiert sind. Diese realpolitischen und in der Gesellschaft verankerten Strukturen reichen für sich genommen schon aus, um sich – auch oder gerade als „Mann“ – genauer mit den Themen sex und gender – auch aus eigener persönlicher Perspektive – auseinanderzusetzen.

Innerhalb der Linken ist Antisexismus mittlerweile ein vermeintlicher Konsens, welcher auf einer theoretischen Ebene zum großen Teil respektiert und umgesetzt wird. Jedoch existieren unserer Meinung nach weiterhin Genderbarrieren, die aufgrund fehlender Reflexion der eigenen ausgrenzenden – und eben oft „männlich“ dominierten – politischen Strukturen nicht wahrgenommen werden. In den Gruppen wird das Thema meist nicht aufgegriffen und ausreichend diskutiert, so dass eine Reflexion des eigenen und des Gruppenverhaltens sowie der Umsetzung des eigenen Anspruchs, so dieser vorhanden ist, ausbleibt.

Wir wünschen uns daher eine Auseinandersetzung “männlich” definierter Menschen mit sich selbst und ihrem eigenen gender, sowie die Etablierung des Themas (Anti-) Sexismus innerhalb der politischen Theorie und Praxis, um eine tatsächliche Änderung, welche über die reine Selbstbezeichnung hinausgeht, zu erreichen. Leider ist uns immer wieder aufgefallen, dass diese Auseinandersetzung und Diskussion meist nur von FrauenLesben, Trans* und Queers, nicht aber von „Männern“ geführt und gefordert wird.

Diese Überlegungen führten uns zur Initiative für das Macker Massaker. Wir denken, dass es allerhöchste Zeit ist, dass wir uns mit unserem eigenen gender, “männlich” sozialisiertem Verhalten sowie mit „männlichen“ Machtposition innerhalb der Gesellschaft auseinandersetzen. Wir wollen sexistische Zustände und Verhaltensweisen offen legen und über einen progressiven Umgang hiermit diskutieren.

Als Gruppe vertreten wir eine queertheoretische Sichtweise und würden am liebsten die konstruierten Geschlechtsidentitäten einreißen, denken aber, dass diese Dekonstruktion nicht einfach herbei gewünscht werden kann. Wir alle werden im Alltag immer wieder als „Männer“ oder „Frauen“ (fremd)definiert – auch wenn wir selbst dies vermeiden wollen – und so in das hegemoniale gesellschaftliche Konstrukt der heteronormativen Zweigeschlechtlichkeit hinein gepresst, in welcher sex, gender und Begehren zwanghaft aufeinander bezogen werden. Diese gesellschaftliche Realität eines binären Geschlechtersystems wollen wir nicht außen vor lassen, beziehen uns deshalb, trotz queerem Anspruch, konkret auf „Männer“ und halten feministische Kritiken für notwendig, denn auf praktischer, alltäglicher Ebene reproduzieren “Männer” immer wieder patriarchale Strukturen und Unterdrückungsmechanismen, auch wenn sie auf theoretischer Ebene stark kritisiert werden und liebend gerne abgeschafft werden würden. Von all den Verhältnissen, Strukturen und Mechanismen wollen auch wir uns als Orgagruppe keinesfalls freisprechen. Wir alle leben in diesen Widersprüchen und müssen mit diesen irgendwie umgehen. Aber wir wollen das Thema aufgreifen und das „irgendwie“ ersetzen.

Wir möchten mit euch debattieren, diskutieren, uns informieren, verschiedene Sachen ausprobieren, uns selber in Frage stellen, um letzten Endes die eigene Hilflosigkeit ein Stück weit überwinden zu können und wieder handlungsfähig zu werden. Dies soll auf allen Ebenen des politischen, gesellschaftlichen und privaten Lebens in einem emanzipatorischen, profeministischen und antisexistischen Kontext geschehen und wendet sich primär an „männlich“ definierte Menschen.



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